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Gliederung der Orogene nach der aus dem beteiligten Gesteinsmaterial und den tektonischen Strukturen interpretierten Entstehungsgeschichte. Geschah dies vor der Etablierung der Plattentheorie (Plattentektonik) vornehmlich nach dem Konzept der Geosynklinale, so wird heute das Orogen allein durch den ursächlichen plattentektonischen Vorgang charakterisiert, wie er sich vor allem am aktiven Kontinentalrand äussert. Es lassen sich unterscheiden: a) Kollisionsorogene, die sich zu beiden Seiten der Kollisionssutur aus Material von kontinentaler Unter- und Oberplatte aufbauen (z.B. Alpen, Himalaja), und b) Kordillerenorogene, die auf dem aktiven Kontinentalrand als Folge von Subduktion ozeanischer Lithosphäre bei hoher Konvergenzrate unter Destabilisierung des Lithosphärenmantels unterhalb des magmatischen Bogens und nachfolgender tektonischer Einengung des Backarc-Bereiches entstehen (z.B. Anden). In beiden Typen können am Rand der Oberplatte Terrane unterschiedlicher Grösse akkretiert und in die weitere Orogense einbeogen werden.
Im Gegensatz dazu stehen die schlecht definierten intrakratonischen (besser: intrakontinentalen) Orogene, die unterschiedliche Ursachen haben können. Vielfach handelt es sich um Aulakogene, die nach ursprünglicher Dehnungstektonik späterer tektonischer Einengung unterlagen. Der wesentlich höhere geothermische Gradient der Erde im Archaikum ( > 2500 Mio. Jahre) führte zu andersartigen Orogenesen, die infolge dieses höheren geothermischen Gradienten durch heissere Magmen und höhere tektonische Mobilität der sich entwickelnden Kruste geprägt waren. Hierher gehören die Grünsteinsgürtel, die sich auf einer hochmobilen kontinentalen Kruste unter intensiver Faltung von Laven und Sedimenten zwischen aufsteigenden Gneisdomen bildeten. |
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