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vom deutschen Landschaftsökologen Haber 1971 entwickeltes raumplanerisches Konzept, das aus den theoretischen Grundsätzen der Sukzession von Ökosystemen abgeleitet wurde. Die Absicht besteht darin, durch eine geschickte räumliche Anordnung der ökologisch unterschiedlich stabilen Landnutzungstypen eine Erhöhung der ökologischen Stabilität in der Kulturlandschaft zu erreichen. Dazu müssen die landschaftsökologischen Nachbarschaftsbeziehungen zwischen Lasträumen und den Ausgleichsflächen unterstützt und intensiviert, die Stabilität der einzelnen Ökosystem-Typen erhöht sowie ihre Fähigkeit zur Selbstregulation auf Kosten der anthropogenen Aussensteuerung verstärkt werden (Abb.). Die Theorie der differenzierten Bodennutzung basiert auf der Annahme, dass je heterogener die abiotischen Bedingungen in einer Kulturlandschaft sind, desto höher deren ökologische Stabilität ist. Die landschaftliche Heterogenität hat aber in Mitteleuropa in den letzten 100 Jahren stark abgenommen und infolge einer grossräumigen Funktionsentmischung den monostrukturierten Räumen mit stark menschlich gesteuerten Ökosystemen Platz gemacht (städtische Verdichtungsräume, landwirtschaftliche Kultursteppen, forstwirtschaftliche Monokulturen). Diese künstlich geschaffenen Dominanzökosysteme (Dominanz) haben sich nur durch den menschlichen Einfluss und ohne Berücksichtigung der räumlich differenzierten Naturraumpotentiale in dieser uniformen Art grossflächig ausgedehnt. Dies hat zu einer ökologische Destabilisierung der Kulturlandschaft geführt. Die in der differenzierten Bodennutzung grob ausgewiesenen und berücksichtigten Ökosystem-Typen sind:
a) Schutz-Typ: naturnahe oder nicht genutzte Ökosysteme (Naturlandschaften), b) Nutz-Typ: intensiv genutzte Agrarökosysteme und Forstökosysteme, c) Nutz-Typ: städtisch-industrielle Ökosysteme (Stadtökosysteme). Während Typ a in seiner räumlichen Ausdehnung unbeschränkt vorkommen darf, sind der Grösse der Typen b und c Grenzen gesetzt, sie sind auf ökologische Ausgleichswirkungen durch den Schutz-Typ angewiesen. Die Theorie der differenzierten Bodennutzung fasst als ökologische Planung erst langsam in der Raumplanung Fuss.
Theorie der differenzierten Bodennutzung: schematische Darstellung. |
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