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Rumpfebene, rezente oder vorzeitliche, weitgespannte und flachwellige Abtragungsfläche, die unabhängig von der Widerständigkeit der Gesteine oder Gesteinsbereiche (Petrovarianz), Faltungsstrukturen, Bruchlinien und Verwerfungen das anstehende Gestein kappt. Die Rumpffläche ist der Prototyp der (geo)morphogenetischen, klimageomorphologisch (Klimageomorphologie) begründeten Skulpturform, die keinen Zusammenhang zwischen geologischem Aufbau des Gebirges und der Reliefform erkennen lässt. Rumpfflächen entstehen unter wechselfeucht tropischem bis subtropischem Klima, welches eine intensive chemische Verwitterung und Flächenbildung durch Flächenspülung mit sich bringt. Voraussetzung für einen hohen Flächenabtrag durch Flächenspülung sind ergiebige Starkniederschläge und geringe Deckungsgrade der Vegetation. Zonen aktiver Rumpfflächenbildung sind z.B. in Westafrika und Indien zu finden. Zur Entstehung von Rumpfflächen werden in der Klimageomorphologie verschiedene Theorien diskutiert. Eine davon ist die der doppelten Einebnungsfläche von J. Büdel mit mächtiger Verwitterungsdecke über einer Verwitterungsbasisfläche und Flächenspülung durch Schichtfluten an der Geländeoberfläche. Aufgrund vermehrter Beobachtungen der aktuellen Flächenbildung kann heute davon ausgegangen werden, dass die Abtragung mit annähernd gleicher Geschwindigkeit wie die Verwitterung des Untergrundes stattfindet und dadurch nur ein dünner Schleier aus Verwitterungsgrus das anstehende Gestein überdeckt. Der Normalfall der aktiven Rumpfflächenbildung ist daher die Existenz von nur einer Einebnungsfläche. Rumpfflächen bilden verbreitet Rumpfflächenlandschaften, zu denen viele Mittelgebirge Europas (z.B. Rheinisches Schiefergebirge, Harz) zählen. Da diese Gebirge gleichzeitig von Bruchlinien umgrenzte Bruchschollengebirge sind, die tektonischen Hebungsvorgängen (Tektonik) unterliegen, sind die Rumpfflächen an den Rändern in Form einer Rumpftreppe übereinander angeordnet. Perioden ausgeprägter Rumpfflächenbildung (wechelfeucht-tropoides Klima) waren in Mitteleuropa im Perm und im Tertiär, daher sind hier alle Rumpfflächen klimagenetische Vorzeitformen, die während des Quartärs durch Taleintiefung zerschnitten und teilweise zerstört wurden. Heute findet man nur noch Flächenreste ehemals verbreiteter Rumpfflächen. |
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